Grüne Revolution – ein Abriss des nachhaltigen Bauwesens

Nachhaltiges Bauen umfasst alle Bereiche der Konstruktion, von der Architektur über die Baustruktur bis hin zur Nutzung ökologisch nachhaltiger und ressourcen-effizienter Prozesse. Lange vorbei sind die Tage, in denen nachhaltiges Bauwesen Idealisten und Weltverbesserern vorbehalten war. Obwohl keine neue Idee – ökologisch-effiziente Bauweise lässt sich bis zu den Anasazi Indianerstämmen zurückverfolgen – wurde unser modernes Verständnis und Bewusstsein für grüne Bauweisen in den 1970ern geprägt. In der Ölkrise, als Reaktion auf die substantiellen Verknappungen und Preisausschläge von Öl, gerieten erstmalig alternative Wege zur Energieerzeugung in den Fokus der Betroffenen.

1. Die Kraft der Sonne nutzen
2. Hochentwickelte Materialien ändern die Regeln des Spiels
3. Der Weg zur Selbstversorgung
4. Best Practices durch Kooperationen
5. Die Zukunft für grüne Bauweise

1. Die Kraft der Sonne nutzen

Diesen Technologien voran stand die Idee sich die Energie der Sonne durch Solarzellen zunutze zu machen. Diese wurden verwendet um vor allem Eigenheime umweltfreundlicher zu machen. Zu anfangs zwar in geringem Volumen und zu hohen Kosten, aber während die Ölkrise kam und ging, hatten Solarzellen auf dem Energiemarkt Fuß gefasst. Die Idee des nachhaltigen Bauwesens begann zu wachsen. Designer und Bauträger wandten sich anderen Optionen zu, wie beispielsweise Recycling und der Nutzung länger haltbarer und regenerativer Materialien, effizienterer Isolierung, und der Reduzierung von Umwelteinflüssen an Baustellen. Wenn wir heute von nachhaltiger Bauweise sprechen, betrachten wir dabei die gesamte Lebensspanne eines Bauprojekts; von der Standortwahl, über Energie-, Wasser-, Materialeffizienz, Betrieb und Instandhaltung, Abfallvermeidung, und bis schließlich zur Dekonstruktion.

solar cells_photovoltaics constructionDie Nutzung von Solarzellen ist seit den 1970er Jahren stark angestiegen

2. Hochentwickelte Materialien ändern die Regeln des Spiels

Im Moment revolutioniert die Idee der Nachhaltigkeit gesamte Industrien und transformiert diese in High-Tech Innovatoren. So auch die Bauindustrie. Aber auch das umweltfreundlichste Gebäude wird höchstwahrscheinlich nicht gebaut werden, wenn es eine finanziell günstigere Alternative gibt. In der Bauindustrie, besonders im Umfeld von kommerziell genutzten Gebäuden, sind Kosten oft der springende Punkt. Denn, auch wenn grüne Konzepte Kunden und Entwickler begeistern, sind es letztendlich die Projektkosten und -geschwindigkeit, die darüber entscheiden, ob ein Unternehmen einen Auftrag bekommt, weil traditionelle Baumethoden eventuell um Millionen günstiger sind. Deshalb sind grüne Bauunternehmen gezwungen nicht nur eine umweltfreundliche Lösung anzubieten, sondern diese auch noch zu einem niedrigeren Preis. Diese Situation ließ dem grünen Arm der Bauindustrie folglich keine andere Wahl als Innovationen zu schaffen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein gutes Beispiel für eine solche Innovation sind Phasenwechselmaterialien, die für die Isolierung genutzt werden. Im Gegensatz zu herkömmlicher Isolierung, die den Strom von Wärme durch ‚Lufttaschen‘ und Fasermaterialien aufhält, absorbieren Phasenwechselmaterialien Wärme und geben sie wieder ab, indem sie zwischen flüssigem und festem Zustand alternieren.
Eine andere erwähnenswerte Entwicklung ist die Nutzung biologisch abbaubarer Materialien. Zwar sind recycelte Produkte ein guter Anfang, wahrhaft umweltfreundliche Materialien müssen jedoch natürlich und rückstandslos abbaubar sein, ohne Schadstoffe abzugeben. Die Old Fashioned Milk Paint Co. adaptiert und verbessert beispielsweise traditionelle Methoden der Farbherstellung unter der Zuhilfenahme von Milch. Milchproteine, Calcium, und natürliche Mineralien liefern hier die Grundlage für eine biologisch abbaubare Farbe. Ein anderes Material, das in vielen Ländern für Isolierung und den Bau von Fundamenten verwendet wird, ist Hanf, ein Verwandter von Marihuana mit niedrigem THC Gehalt.

High-tech und Nanomaterialien eröffnen nicht nur ein breites Feld an neuen Anwendungen, sondern sind auch biologisch abbaubar

3. Der Weg zur Selbstversorgung

Der Trend in Richtung von energieneutraler Konstruktion und Instandhaltung endet aber nicht mit dem Bau des Gebäudes selbst. Vollkommen klimafreundliche Gebäude müssen in der Lage sein ihren eigenen Energiebedarf zu produzieren und zu decken. Windkraftwerke auf Gebäudedächern sind eine vielversprechende Lösung für Wolkenkratzer, da in größeren Höhen ein beinahe konstanter Luftstrom genutzt werden kann, um einen Großteil des Energiebedarfs des Gebäudes zu generieren. Ein richtiges Highlight ist jedoch erneut die Kraft der Sonne. Photovoltaik-Zellen können, ganz klassisch, in die Fassade eines Hauses eingefasst, oder sogar als transparente Module für Fenster oder Oberlichter verwendet werden.

3_solar cells on building facade_building radarUm den Energiebedarf eines Gebäudes zu decken, werden Technologies, wie bspw. Photovoltaik, in die Strukturen integriert

4. Best Practices durch Kooperationen

Ein vorbildhaftes Projekt für selbstversorgende, grüne Bauweise ist das NuOffice in München, das bis Ende 2015 fertiggestellt werden soll. Entstanden aus einer Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik und dem europäischen Energieeffizienz-Projekt DIRECTION, übertrifft das NuOffice alle drei Grenzwerte für den LEED Platin-Status. Das Ziel der Designer war es, die passive Nutzung von vornehmlich Solarenergie des Gebäudekomplexes durch intelligente Ausrichtung und die Integration erneuerbarer Energiequellen in die Gebäudestruktur zu maximieren. Ein zentrales Wärmeverteilungssystem im Keller des Komplexes steuert Beheizung und Abkühlung, um den Energieverbrauch minimal zu halten. Zusätzlich ist die Anlage so gestaltet, dass ein natürlicher Luftstrom den Komplex durchweht. Durch seine Ausrichtung erreicht er, dass das Sonnenlicht optimal zur passiven Energieerzeugung genutzt werden kann.

4_green office_building radarBeispiel für ein grünes Büroprojekt

5. Die Zukunft für grüne Bauweise

Die Technologien zur Erzeugung sauberer Energie sind weiter fortgeschritten als je zuvor. Diese Entwicklung bringt mit sich, dass umweltfreundliches Verhalten nicht nur das Klima des Planeten schont, sondern auch den eigenen Geldbeutel. Selbst bei geringfügig höheren Installationskosten, beginnen immer mehr Projektentwickler den langfristigen Vorteilen, wie geringeren Lebenszykluskosten grüner Bauweisen, mehr Bedeutung beizumessen. Mit einem jährlichen Wachstum von über 13% und einer geschätzten Marktgröße von 260Mrd US Dollar bis 2019, winken demjenigen die größten Profite, der die grüne Welle am besten reiten kann.
Die größte Nachfrage nach umweltfreundlichen Bauweisen besteht nach wie vor in Nordamerika. Das größte Wachstum findet jedoch im Asien-Pazifik-Raum, angeführt von Indien, China, Singapur, Malaysia und Indonesien, statt. Obwohl diese Entwicklung noch in ihren Kinderschuhen steckt, werden Regierungsinitiativen maßgeblich dazu beitragen diesen Trend in den nächsten Jahren zu verstärken.

5_singapore_skyline_night_building radarSingapur gehört zu den Großinvestoren in umweltfreundliches Bauen

Author: Laurenz Kalthoff

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