Rote Wirtschaftskennzahlen für 2019? Nicht im Baugewerbe!

Der aktuelle Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts steht für die Baubranche im Jahr 2019 weiterhin auf Grün:

“Keine größeren Änderungen der nach wie vor sehr guten Geschäftslage”

ist das Fazit. Das Jahresgutachten des Sachverständigenrats kommt auf ein vergleichbar positives Ergebnis.

Wir von Building Radar beobachten ebenfalls die Aktivität des Baugewerbes. Sogar weltweit. Mit automatisierten Technologien scannen wir permanent das aktuelle Geschehen der Bauindustrie vollautomatisch und in Echtzeit. Von der Privatwirtschaft bis hin zu öffentlichen Ausschreibungen. Die ideale Grundlage für eine tiefgreifende Marktanalyse, die Sie vollständig unserem Baureport für das 1. Halbjahr 2019 entnehmen können.

Wir schauen über den Tellerrand. Wir analysieren. Wir hinterfragen. Deshalb haben wir das deutsche Baugewerbe kurzerhand selbst unter die Lupe genommen. So müssen wir Aussagen über die Entwicklung der Baubranche nicht blind vertrauen und Sie profitieren gleich mit. Das Ergebnis unserer eingehenden Analyse ist überraschend.

Entwicklung der Baubranche in Deutschland

Auf den ersten Blick bestätigen die von Building Radar kategorisierten Bauprojektinformationen die positiven Indikationen der Wirtschaftsinstitute für die deutsche Bauwirtschaft in 2019. Anhand der gesammelten Daten lässt sich ein absoluter Anstieg der öffentlich ausgeschriebenen Projekte um 37,5 % erkennen. Treiber des Anstiegs sind Neubauten und Sanierungen in den Bereichen Infrastruktur, Bildung & Forschung, Industrie und Wohnbau. Dies deckt sich mit den Ergebnissen einer aktuellen Studie von pwc, nach der bis 2020 entscheidende Erfolgsfaktoren des Booms private Neubauten und Sanierungen vorhandener Immobilien sowie eine positive Marktstimmung sind. Aber auch teilweise lange überfällige Investitionen im öffentlichen Bereich sorgen für einen Anstieg der öffentlichen Ausschreibungen.

Entwicklung der öffentlichen Ausschreibungen

Die Anzahl an Bauvorhaben in Deutschland nimmt weiter zu, der nominale Umsatz stieg im ersten Quartal 2019 um 17,8 % im Vergleich zum ersten Quartal 2018.

Die ausschreibungsstärksten Monate waren im gesamten deutschsprachigen Raum die Monate März und Mai. Trotz der gesamtwirtschaftlichen Schwäche prognostizieren diverse Forschungsinstitute für 2019 eine starke reale Zunahme der Bauinvestitionen. Der Auftragsbestand in der Bauwirtschaft erreicht laufend neue Rekordwerte. Ende März 2019 lag er bei 53 Mrd. Euro und damit nominal um 15,1 % höher als 2018.

Warum wächst gerade die Anzahl an öffentlichen Ausschreibungen so stark an? Die Länder haben in den letzten fünf Jahren Ihre Investitionen um 27 % ausgeweitet, der Bund um ca. 23 %. Neben dem eindeutigen Bedarf dürfte dies auch auf die deutlich verbesserte Finanzlage zurückzuführen sein. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. erwartet für 2019 ein nominales Umsatzplus im Bauhauptgewerbe im öffentlichen Bereich.

Building Radar bestätigt diese Entwicklung mit einem Zuwachs von 37,5 % an öffentlichen Ausschreibungsinformationen, deren Niveau in den Vorjahren 2017 und 2018 noch beinahe konstant war.

Entwicklung nach Bundesländern

Die Aufteilung von Ausschreibungen nach Bundesländern zeichnet ein deutliches Bild. 47,3 % der öffentlichen Ausschreibungen entfallen auf nur drei Bundesländer: Nordrhein-Westfalen (19,6 %), Bayern (16,9 %) und Baden-Württemberg (10,8 %).

Dieser Boom in den Bundesländern kann kleinere Kommunen ins Schwitzen bringen. Die hohe Bautätigkeit in der Privatwirtschaft stört deren Baupläne immer öfter. Auf zahlreiche Ausschreibungen gibt es kein einziges Angebot mehr. Dadurch müssen geplante öffentliche Bauvorhaben neu terminiert und kalkuliert werden, da der Zeit- und Kostenrahmen nicht eingehalten werden kann.

Die drei Bundesländer mit der höchsten Bautätigkeit sind ebenfalls alle Spitzenreiter der Top drei Baukategorien. In Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen werden 62,5 % aller Ausschreibungen veröffentlicht. Aufgeteilt auf die Bereiche Industrie (15,6 %), Infrastruktur (19,9 %) und Bildung (27 %). Natürlich vereinen diese Bundesländer auch einen hohen Anteil der Flächen- und Bevölkerungszahlen, weshalb das Ergebnis nicht überrascht. Umso spannender ist daher Platz fünf, da Berlin eines der kleinsten Bundesländer ist, allerdings als Bundeshauptstadt wirtschaftlich eine verhältnismäßig große Bedeutung hat.

Entwicklung nach Städten

Zwei der Städte mit dem teuersten Wohnraum und Gewerbeimmobilien führen auch die Top drei unseres Rankings an. Spitzenreiter ist Berlin mit 25,1 % aller Ausschreibungen, die alleine auf das erste Halbjahr entfallen. Platz 4 sichert sich mit Dresden eine der am stärksten boomenden Städte in Ostdeutschland. Leipzig belegt lediglich Platz 11, obwohl die Stadt laut einer Spiegel-Online-Studie bis 2035 einen Bevölkerungszuwachs von 16,5 % verzeichnen soll.

Entwicklung nach Kategorien

Wir unterteilen Bauvorhaben in 14 Projekt-Kategorien:

  • Infrastrukturbau
  • Hotel- & Gastronomiebau
  • Bildung & Forschung
  • Sport
  • Garten- & Landschaftsbau
  • Landwirtschaft
  • Kultur & Veranstaltungen
  • Gewerbeimmobilien
  • Medizinische Einrichtungen
  • Wohnbau
  • Bürobau
  • Öffentliche Verwaltung
  • Industriebau

Drei Kategorien vereinen stolze 65,1 % aller von uns erfassten Bauvorhaben in sich. Der Bereich Infrastruktur liegt mit 22,4 % der Projekte auf Platz 2. Darunter fallen Ausschreibungen u. a. für Flughäfen, Autobahnen oder den öffentlichen Nahverkehr. Auf Platz 1 liegt mit 25,6 % klar die Kategorie Bildung & Forschung. Das Thema Schulbau steht im Fokus. Allerdings sind die Budget-Töpfe dafür noch lange nicht ausgeschöpft.

Im Gegenteil, es geht nur schleppend voran. 3,5 Mrd. Euro hat das Bundesfinanzministerium im August 2017 zur Sanierung, zum Umbau und zur Erweiterung von Schulgebäuden bereitgestellt. Nur etwas mehr als eine Milliarde Euro haben die Bundesländer davon bislang abgerufen. Dies liegt auch an dem bereits beschriebenen Rückstau durch nicht vergebene Aufträge. Der Bund hat in den letzten Jahren milliardenschwere Fördertöpfe bereitgestellt. Nur: Die Nachfrage bleibt gering. Aus manchen Töpfen für Schulsanierungen ist bislang kein einziger Euro abgeflossen. Ähnlich verhält es sich bei den Förderungen für den Kita-Ausbau.

Ein zentraler Grund: In den kommunalen Bauverwaltungen fehlt das Personal, die Bauvorhaben zu planen. In vielen Kommunen wurde die Bauverwaltung in den letzten Jahren systematisch kaputt geschrumpft. Deutlich wird aus den vorliegenden Daten auch, dass das Thema Wohnungsbau im privatwirtschaftlichen Bereich deutlich stärker vertreten ist. Dort liegt der Bereich Wohnbau auf Platz 3, im Sektor öffentliche Ausschreibungen nur auf Platz 8.

Entwicklung nach Auftragsvolumen

Ein weiterer interessanter Aspekt unserer Auswertung öffentlicher Ausschreibungen ist die Aufteilung nach Ausschreibungsvolumen. Stolze 47,1 % aller Projekte pendeln sich in der Größenordnung zwischen 200.000  und 1 Mio. Euro ein. 26 % aller Ausschreibungen lagen sogar bei einem Volumen unter 200.000 Euro. Lediglich 9,8 % erreichten einen Auftragswert über 5 Millionen Euro. Ganz anders zeigt sich hier das Bild im privatwirtschaftlichen Sektor. Dort dominieren Auftragswerte von 1 bis 5 Mio. Euro (siehe Seite 24). Allerdings gibt es einen weiteren Grund für die eher niedrigen Auftragsvolumen im Bereich öffentlicher Ausschreibungen: Große Projekte werden in Teile zerlegt oder auf Pakete verteilt, welche in unserer Statistik teils als einzelne Bauprojekte einfließen. Dies gilt es beim Betrachten und Interpretieren der Zahlen grundsätzlich im Hinterkopf zu behalten.

Entwicklung der Privatwirtschaft im Baugewerbe

Entwicklung in Deutschland

Im ersten Halbjahr 2019 konnten wir über 45.000 neue Bauprojekte im privatwirtschaftlichen Sektor deutschlandweit aufspüren. Die Abgrenzung von rein privatwirtschaftlichen Bauprojekten zu solchen, die auf öffentlichen Aufträgen basieren, ist nicht eindeutig. Bauprojekte, die Kategorien wie Bildung oder Verwaltung zugeordnet sind, überschneiden sich potenziell mit den absoluten Zahlen zu öffentlichen Aufträgen. Eine vollständige Abgrenzung ist daher nicht möglich. Dieser vermeintliche Nachteil hat tatsächlich den positiven Aspekt, dass die Aktivität in diesen Kategorien auf die Aktivität der öffentlichen Aufträge in denselben Kategorien schließen lässt. Untersuchungen belegen eine mittlere Ausschreibungsverzögerung (time lag) von 6–9 Monaten, nachdem ein Bauprojekt erstmalig in Zeitungen genannt wurde. Im Vergleich zum Vorjahr legt Deutschland um 32,6 % zu. Besonders herausragend waren bisher die Monate Februar und März.

Entwicklung nach Bundesländern

Die Verteilung der privaten Bauprojekte auf die einzelnen Bundesländer gestaltet sich nahezu analog zum Bereich der öffentliche Ausschreibungen. Auch hier liegen die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen an der Spitze. Mit 54,1% aller Bauprojekte ist die Bautätigkeit der drei Bundesländer vergleichsweise etwas stärker als im Bereich öffentliche Ausschreibungen. Dennoch vereinen die drei Bundesländer über die Hälfte aller privaten Bauaufträge.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man sich in den Top drei Bundesländern die Verteilung der Baukategorien ansieht. Im Gegensatz zu den öffentlichen Ausschreibungen liegt hier das Thema Wohnbau sehr weit vorn. Da gerade diese Bundesländer extrem bevölkerungsstark sind, ist dies grundsätzlich nicht verwunderlich. Auch hier belegen die Kategorien Infrastruktur und Bildung & Forschung wieder die vorderen Plätze und machen zusammen knapp die Hälfte (49,7 %) aller Projekte aus.

Entwicklung nach Städten

Betrachten wir die Verteilung der Bauprojekte im ersten Halbjahr auf die einzelnen Städte in Deutschland, finden wir dort die drei bevölkerungsreichsten und lebenswertesten Städte Berlin (3.613.495 Einwohner), München (1.526.056 Einwohner) und Hamburg (1.830.584 Einwohner). Allein auf Berlin entfallen 20,5 % aller Bauvorhaben. Mit großem Abstand folgen München (9,8 %) und Hamburg (6,1 %).

Entwicklung nach Kategorien

Auch bei den Artikeln ist die Kategorie Infrastruktur wieder Spitzenreiter. Die Themen Schul- und Kitabau liegen wieder weit vorn und das Thema Wohnbau umfasst 14 % aller Bauprojekte. Fraglich ist allerdings, ob sich dieser Trend die nächsten Jahre weiter fortsetzt. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2,3 % weniger Wohnbauvorhaben genehmigt, als im Vergleichszeitraum 2018. Lediglich die Zusagen für Einfamilienhäuser liegen auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Die Genehmigungen gelten sowohl für neue Gebäude als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden.

Entwicklung nach Auftragsvolumen

Beim Bauvolumen im überwiegend privatwirtschaftlichen Bereich ergibt sich ein deutlich anderes Bild, als bei den öffentlichen Ausschreibungen. Ein Grund dafür ist die Bemessungsgrundlage. Anders als bei den öffentlichen Ausschreibungen – bei denen eine Untergliederung in Summen entsprechend der Teilleistungen vorliegt – erfolgt diese Auswertung bei überwiegend privatwirtschaftlichen Bauvorhaben entsprechend der Gesamtbausumme. Hier dominieren Projekte im Wert von 1 bis 5 Millionen Euro mit einem Anteil von 30,3 %. Damit liegt der Auftragswert in einem deutlich höheren Bereich. Spannend ist auch die Zahl der Projekte, die über 100 Millionen Euro Volumen liegen.Deren Anteil beträgt 12,4 %.

Entwicklung und Prognose: Die Bauwirtschaft im 2. Halbjahr 2019

Wie aufgezeigt, sind die Erwartungen für die Baubranche nach dem ersten Halbjahr 2019 konstant positiv. So prognostiziert die Bauindustrie-Nord weiterhin eine robuste Entwicklung. Nach Einschätzung des Instituts operiert die Bauwirtschaft an der Kapazitätsgrenze, was sich in deutlich steigenden Baupreisen äußert. Wir beobachten nach einem starken ersten Halbjahr in Deutschland eine Zunahme der öffentlichen Ausschreibungen von über 30 %. Jedoch bleibt die Anzahl der neuen Bauvorhaben privatwirtschaftlicher Projekte im gleichen Zeitraum auf demselben Niveau wie im Vorjahr. Mit den ausgewerteten Bauprojektinformationen, u. a. nach Kategorien oder Volumen, lassen sich die positiven Indikationen der Wirtschaftsinstitute bestätigen.

Warum wächst ausgerechnet die Anzahl der durch öffentliche Ausschreibungen vergebenen Projekte so stark? Helaba-Analysten erklären sich das mit der zu geringen Bautätigkeit in den vergangenen Jahren. Lange hat die öffentliche Hand

„… Infrastrukturinvestitionen aufgeschoben, die nun nach und nach in Auftrag gegeben werden. Das Gleiche gelte im Wohnungsbau, der über viele Jahre vor allem in den Metropolregionen vernachlässigt wurde.“

Insgesamt allerdings wird deutlich: Die deutsche Bauwirtschaft wächst weiter. Prognosen durch den mittelständischen Verband ZDB sprechen von Erlösen in Höhe von 137,5 Mrd. Euro.

„Damit ist die Bauwirtschaft momentan die Konjunkturlokomotive Nummer eins“,

sagte ZDB-Präsident Reinhard Quast. Für das Jahr 2020 rechnet der Verband allerdings „nur“ noch mit einem Anstieg der Umsätze von 5 % und prognostiziert sogar eine Stagnation der Umsätze aufgrund der immer noch stark ansteigenden Baukosten. Weiter vermutet das Institut, dass die schwächelnde Autoindustrie auch Auswirkungen auf die Baubranche haben wird. So soll es für 2020 zu einem Tempoverlust im Wachstum bzw. zu einem Einbruch kommen. Bauboom oder Konjunkturkrise, wie wird sich die deutsche Bauwirtschaft weiterentwickeln? Es besteht keine Blasengefahr. Das prognostizieren zumindest die fünf großen Wirtschaftsforschungsinstitute (vom Münchner Ifo, bis zum Institut für Weltwirtschaft in Kiel) – zumindest für die nächsten zwei Jahre soll die Wachstumsrate der Bauindustrie das BIP-Wachstum noch deutlich übertreffen. Die Zukunft wird zeigen, ob sich diese Zukunftsprognose auch bewahrheiten wird. Wir sind gespannt!

Wie ist Ihre Einschätzung zur Entwicklung der Baubranche für 2020?

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